Ungefähr 12 Stunden Zugfahrt, eine halbe Stunde Berlin Ostbahnhof – ziemliche Ereignislosigkeit.
In Krakow wurde ich von Anna abgeholt. Mit der Geschichte, dass meine Eltern sich und auch Anna auf einer Wallfahrt nach Częstochowa kennengelernt haben erwecke ich überall Erstaunen und Heiterkeit. Mit Anna bin ich dann zu Maryla gefahren, bei der ich seitdem wohne. Sie ist eine Freundin von Anna und eine etwas ältere Frau. Ihr genaues Alter habe ich noch nicht rausbekommen, was wohl auch (aber nicht nur) an meiner Feindschaft mit den polnischen Zahlwörtern liegt. Anna gab mir netterweise noch den Tipp, dass Maryla Geburtstag und Namenstag hat – so dass ich mir im Bus noch die Glückwunschworte zurechtlegen konnte. Ansonsten muss ich wohl ungefähr so fertig ausgesehen haben, wie ich mich gefühlt habe. Die beiden Damen haben auch meine Polnischkenntnisse gleich ziemlich auf die Probe gestellt. Ich weiß, dass Anna wunderbares Deutsch spricht, aber zum Glück hat sie von Anfang an nur Polnisch mit mir geredet. Die beiden Damen haben dann beim Abendessen pausenlos geredet und meinten zwischendurch immer wieder, ich sollte essen und nicht zuhören. Sie haben vor allem meinen Tagesablauf am Sonntag geplant. Ihr glaubt gar nicht, wie lange man darüber diskutieren kann, in welche Kirche man am Sonntag geht. Gemeindezugehörigkeit schien dabei keine Rolle zu spielen, sondern einfach, ob man die Messe dort nun „mag“ oder nicht. Ob das dann allerdings von dem Aussehen der Kirche, des Priesters, der Uhrzeit oder der Art zu predigen abhängt, habe ich nicht wirklich verstanden. Auf jeden Fall landete ich dann am Sonntagmittag (ich habe sehr lange geschlafen) in der Florianskirche, in der Johannes Paul II. als Kaplan und Gemeindepriester tätig war. Von dem, was in der Messe gesagt wurde, habe ich natürlich original null verstanden. Dafür ist mir allerdings klar geworden, dass ich, um die Polen zu verstehen, nicht nur die polnische Sprache, sondern auch die Sprache des polnischen Katholizismus lernen muss. Ich verzweifele da schon ziemlich dran. Wie allerdings Protestanten das auf die Reihe kriegen, ist mir noch unverständlicher. Ich kann mir nur vorstellen, dass die das entweder total ignorieren oder halt eher einen gewissen wissenschaftlichen Abstand dazu haben. Während ich mir stattdessen sagen muss, dass wir ja eigentlich alle Katholiken sind…also erstmal genug zu diesem Thema, das mich wohl das ganze Jahr über begleiten wird.