Polski Dziennik

Meine Mitbewohnerinnen und der Vermieter…

3. Juli 2008 · 4 Kommentare

In diesem Post geht es um meine beiden Mitbewohnerinnen, die heute Morgen ausgezogen sind. Die beiden waren Erasmus-Studentinnen aus der Türkei, studieren Psychologie und sind etwas jünger als ich, ich glaub 20 Jahre alt. Ich nenne sie der Einfachheit halber X. und Y. Außerdem spielen noch mit M. (Studentin, Mentorin von X und Y) K. (meine andere Mitbewohnerin, ist Polin und arbeitet) und natürlich V. (der Vermieter).

(Noch eine Anmerkung: 1 Euro sind ungefähr 3,5 polnische Zloty.)

Die Story fing damit an, dass mir M. auf meine Internetanzeige für das Zimmer antwortete, weil sie ein Zimmer für X. und Y. suchte. X. und Y. kämen zwar erst Mitte des Monats, wären aber bereit ab dem 7. zu zahlen. (Unser Mietvertrag gilt irgendwie ab dem 7.) Sie kam vorbei, guckte sich die Wohnung an, machte ein paar Fotos und X. und Y. entschieden sich dafür in der Wohnung zu wohnen. M. klärte alle Details mit V. Die beiden kamen und unterschrieben so eine Art Anhang für den ordentlichen Vertrag, den K. und ich haben. Außerdem stellte sich heraus, dass die beiden kaum Englisch sprechen. Am Anfang bin ich noch geduldig und erkläre alle Dinge fünfmal, langsam aber sicher gebe ich die Kommunikation auf. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich irgendwas verbessert. Die beiden sitzen den ganzen Tag am PC und lernen entweder Englisch oder für die Uni. Sie übersetzen teilweise Vorlesungsscripts Wort für Wort. Abends gehen sie eigentlich nie weg (als Erasmusstudenten), Freunde oder Hobbys scheinen sie nicht zu haben. (Gut, Einkaufen vielleicht) Außerdem fällt mir auf, dass sie ständig das Licht brennen lassen und viel Wasser verbrauchen. Ich will nicht als die deutsche Öko-Tussi ankommen und sage nichts. Der von mir sorgfältig erstellte, abgesprochene und erklärte Putzplan funktioniert nach ca. vier Wochen nicht mehr. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass ich die einzige bin, die in dieser Wohnung putzt. Ich schwöre mir nie wieder mit einem Menschen mit langen dunklen Haaren zusammenzuwohnen. Irgendwann starte ich den Versuch meinen Unmut über manche Dinge auszudrücken und versuche X. und Y. zu erklären, dass sie nach jedem Gebrauch doch bitte den (von mir erworbenen) Sandwichtoaster reinigen sollen und erwähne dazu noch, dass sie auf keinem Fall mit Metall in dem Ding rumkratzen sollten. (weil sich dort nämlich schon Spuren davon befanden) Alles lässt sich halbwegs ertragen, da ich viel unterwegs bin. Zwischendurch streite ich mich mit dem Vermieter über das Thema Privatsphäre und wir alle drei uns mit ihm über die Nebenkostenabrechnung. Diese Verhandlung über die Nebenkosten war zwar stressig, aber mit genauem Hinschauen, Argumentieren und Ruhig Bleiben haben wir auf jeden Fall erreicht, dass wir weniger zahlen mussten. Zwei Tage bevor ich nach Frankreich los bin, erreicht mich eine SMS vom Vermieter, dass wir 211 Zloty zu zahlen hätten für Internet, Gas und Licht.  Macht für eine Person 52 Zloty. Ich leite die Nachricht and X., Y. und K. weiter. K. und ich bezahlen. X. und Y. bezahlen nicht. Der Vermieter hätte eh noch ihre Kaution und außerdem hätten sie mit ihm ausgemacht, dass sie für den letzten Monat nur die Hälfte zahlen, weil sie im ersten Monat ja später gekommen wären. Sie hätten aber 300 Zloty bezahlt, ergo 75 Zloty zu viel. (Was rein rechnerisch schon nicht stimmen kann, weil die Hälfte der Miete 550 Zloty sind.) Ich brauchte eine Stunde, um zu verstehen, was sie wollten. Das war schon an dem Tag, an dem ich geflogen bin. Als ich den beiden sagte, dass sie sich an K. oder M. wenden sollten, weil ich nicht in Polen bin und außerdem sensible Dinge besser von Muttersprachlern geklärt werden, beschwerten sie sich, dass die beiden ihnen ja nicht helfen würden. Naja, ich war erstmal weg. Was ich bei meiner Ankunft erwartete war die Diskussion über das Thema, wann die Kaution zurückgezahlt wird. Das hatten wir das letzte Mal schon. Wenn Ausstauschstudenten das Land verlassen, ist es einfach blöd für sie, wenn sie erst am letzten Tag ihr Kaution wiederbekommen, weil sie dann teure Wechselgebühren in Kauf nehmen müssen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war das, was dann kam:

Wieder zu Hause wurde ich mit der netten Nachricht begrüßt, dass der Abfluss in der Küche verstopft war. V. kam am Sonntag um das zu reparieren. (Meiner Meinung nach ist das nicht seine Aufgabe. Aber ICH fühlte mich nun so garnicht verantwortlich.) Da erzählte er uns auch, dass er am Montagmorgen mit M. verabredet sei, um die Abrechnung für X. und Y. zu erledigen. Ich warf meine Pläne über den Haufen und blieb am Montagmorgen zu Hause. V. kam, M. nicht. Er legte mir eine horrende Nebenkostenabrechnung vor. Die v.a. durch das Wasser zu hoch war. Die Unterhaltung dauerte eine gute Stunde. Ich versuchte polnische Rechnungen zu verstehen und dem Vermieter klar zu machen, dass ich zu der Sache nichts sagen kann, da ich da einfach nicht durchsteige – trotz gutem Willen. Später erzählten mir X. und Y., dass M. erst am Dienstag mit V. verabredet sei. Am Dienstagmorgen standen wir dann zu fünft in der Küche: X., Y., V., M. und ich (K. musste arbeiten). Die Unterhaltung dauerte ca. drei Stunden und wurde von Minute zu Minute aggressiver. Sie endete damit, dass X. in Tränen ausbrach und Y. V. anschrie: “I hate you!” V. verließ die Wohnung mit dem Kommentar, dass er keine Zeit mehr habe und wir uns am Abend nochmal melden sollten, wenn K. da sei. M. und ich hatten die ganze Zeit versucht die Dinge Punkt für Punkt zu (er)klären. Dieses war aber ziemlich unmöglich, da sowohl X. und Y. als auch V. nur noch aggressiv reagierten. Ganz sauber hat V. sicher nicht abgerechnet, beim letzten Mal hat er das auch nicht getan – mit genauem Hinschauen und Nachhaken haben wir aber letztlich das bezahlt, was unserer Meinung nach zu bezahlen war. X. und Y. stellten sich aber eisern auf den Standpunkt, dass er ihnen noch die ganze Kaution auszuzahlen hätte – und V. meinte sie müssten ihm noch 200 Zloty bezahlen. K. und ich sind der Meinung, dass V. ungefähr noch die Hälfte der Kaution zu bezahlen hat. Die Wahrheit liegt also dazwischen. Genau dies versuchten wir am Abend sowohl X. und Y. als auch V. (am Telefon) zu erklären. (Letztlich hat niemand irgendwas bezahlt.) X. und Y. meinten dann auf M. schimpfen zu müssen, die sich mit V. verbrüdert hätte. Sie kündigten am Mittwoch zum türkischen Konsulat zu gehen. Ich traf die beiden dann gestern als ich nach Hause kam schon vor dem Haus. Sie berichteten mir, dass laut Aussage des Konsulats, die Wohnung überhaupt nicht vermietet werden dürfte, weil sie im Kommunismus für lau an die Bewohner gegangen sind. Außerdem hätten sie ja keinen Vertrag. Ich wies sie darauf hin, dass meiner Meinung nach die kleinen Zettel Anhänge für den Vertrag seien, darauf sie: “This is nothing!” Wir kamen in die Wohnung: Alle Lichter brannten und der Wasserhahn lief – und da platzte mir dann der Kragen und ich meinte, dass es ja auch kein Wunder sei, dass wir so eine hohe Nebenkostenrechnung hätten. Sie schrien mich an, dass sie jetzt ein Recht drauf hätten Licht und Wasser zu verbrauchen. Ich sollte doch nicht den Vermieter verteidigen. Bei der Auseinandersetzung ging das Glas in meiner Zimmertür zu Bruch. Meine Schuld, dass ich so die Fassung verloren habe, ich habe einfach zu lange nichts gesagt. Heute morgen wollte ich nochmal nett sein und verabschiedete mich freundlich, wobei ich nur ein aggressives “We don’t think we get our money back.” zu hören bekam. Auf die Frage, was sie mit den Schlüsseln machen sollten, bat ich sie die einfach in den Briefkasten zu schmeißen. Außerdem erklärten sie mir, dass sie die Originalrechnungen für Wasser etc. zerissen hätten. Ich gab die Schnipsel an K. weiter und verließ das Haus. Auf dem Weg schrieb ich eine SMS an V. wegen der Tür und schaltete sicherheitshalber mein Handy aus. Nach der Arbeit hatte ich schon ein ungutes Gefühl und fuhr nach Hause anstatt das gute Wetter zu genießen. Ein Blick in den Briefkasten zeigte: Keine Schlüssel da. In der Wohnung traf ich den Vermieter an und mein ungutes Gefühl wurde bestätigt: Die beiden haben das Zimmer total verwüstet: Den Tisch zerkratzt, die Leinentuchschränke zerschnitten, Öl auf den Teppich gegossen, in die Wand geritzt, Kissen und Decken aufgeschnitten, Zahnpasta überall hingeschmiert, die Glühlampen (absurderweise Energiesparlampen) mitgenommen, etc. Ein Anruf bei M. ergab, dass auch sie die Schlüssel nicht hat. Ich versuchte irgendetwas der Fremdenfeindlichkeit des Vermieters zu entgegen und sagte ihm, er solle lieber Fotos von dem Zimmer machen. Nach einer Stunde verließ er endlich die Wohnung. Später rief nochmal M. an, die mit X. und Y. telefoniert hatte. Die hatten aber aufgelegt, nachdem sie die beiden auf das Zimmer angesprochen hat…

Ich hoffe jetzt, dass sich das mit der Tür und mit K.s und meinen Nebenkosten irgendwie einvernehmlich regeln lässt – und freue mich ein wenig über die Ruhe in der Wohnung!

Kategorien: Alltäglicher Wahnsinn · Wohnen

4 Antworten bis hierher ↓

  • M // 3. Juli 2008 um 11:01

    Puh, das ist ja eine heftige Geschichte . . .
    Fühl dich ganz doll gedrückt und genieß die Ruhe!
    M

  • guest // 3. Juli 2008 um 11:08

    Der arme Vermieter…alleine gegen 5 Frauen.

    Der wird wahrscheinlich in den nächsten 5 Jahren keine(n) mehr in die Wohnung lassen :)

  • Winfried // 3. Juli 2008 um 11:20

    Arme Frau…

    Um mal dein anderes Lieblingsthema mit dieser Geschichte zusammenzubringen: ich stelle mir gerade einen EU-Ministerrat so ähnlich vor…auch die Rollen könnten gleich besetzt werden (vorausgesetzt, die Türkei wird noch aufgenommen). Daher würde ich in deine nächste WG auch keine italienische Mitbewohnerin aufnehmen… obwohl bei einer intensiven Auseinandersetzung von Kaczyński, Erdagon und Berlusconi würd’ ich schon gerne Mäuschen spielen. Und du solltest dich mal mit Angie über zerbrochene Glasscheiben bei nächtlichen Vermittlungsversuchen unterhalten.
    Insgesamt qualifiziert dich diese Erfahrung doch für einen Job in Brüssel…

  • neleteresa // 4. Juli 2008 um 5:28

    Also ich weiß nicht, welche Rolle der Fakt spielen soll, dass hier außer dem Vermieter alle Akteurinnen weiblich waren. Der Vermieter wollte übrigens immer ausdrücklich MieterINNEN und dazu noch Ausländerinnen…
    Und welche Frau ist arm? Die vom Vermieter? Ich weiß nicht, ob der noch eine hat. Er redet öfters von seinen Kindern, aber von seiner Frau hat er noch nie was gesagt.

    Zu dem EU-Szenario fehlt aber noch so ‘nen Sarkozy…

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