Nach meinem Plädoyer für tagesschau.de muss ich nochmal Werbung für ein anderes deutsches Medium machen. Ich freue mich immer, wenn ich intelligente politische Kommentare lesen - und mangels deutscher Tageszeitungen lese ich die gerade v.a. in der Zeit. Ich bin mir aber auch sicher, dass man die meisten der besseren Artikel dort nirgendwo anders findet.
In dieser Ausgabe schreibt Bernd Ulrich über die Tendenz der “linken Mehrheit” die Deutschen, insbesondere die Mittelschicht, als arme, bedauernswerte Masse einzuschätzen. Er stellt dagegen fest: “Noch immer gilt der Satz: Reicher, gleicher und freier als die Deutschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben kaum je Menschen gelebt und lebt auch heute kein Volk auf dieser Erde.” Und auch zu schwarz-grün macht er einen sehr treffenden Kommentar: “Wenn diese Kombination einen Sinn hat, dann weil sie die beiden Parteien einschließt, die ihre Wähler am wenigsten als Anspruchsberechtigte ansprechen, sondern zuerst als Bürger, als Menschen, die zu etwas fähig und verpflichtet sind. [...] Insofern lohnte sich dann doch Schwarz-Grün, eine Koalition die – nebenbei – auch die werthaltigste Außenpolitik formulieren würde.” Da kann ich doch nur virtuell applaudieren.
Außerdem hat Alice Bota in einem Artikel mit dem Tital “Danzig liegt im Himalaya” versucht das Phänomen der Pro-Tibet-Proteste in Polen zu erklären. Ich habe mich selbst schon darüber gewundert, da natürlich Tibet auch in Deutschland in den Medien und Köpfen gerade präsent ist - aber lange nicht so stark wie hier in Polen. Für Frau Bota sind die Pro-Tibet-Demonstrationen eine Fortsetzung der Solidarnosc-Bewegung. Mit Sicherheit spielt die historische Komponente eine große Rolle - ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob man das Phänomen wirklich darauf beschränken kann. (Der Artikel ist wohl leider nicht online verfügbar…)
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